Magnetkupplung bei Pumpen – hermetisch dicht fördern

Bei Pumpen für chemisch aggressive, toxische oder anderweitig kritische Medien spielt die Abdichtung des Förderraums eine entscheidende Rolle. Eine klassische Konstruktion führt die Antriebswelle durch das Pumpengehäuse nach außen. An dieser Stelle ist eine dynamische Wellendichtung erforderlich.

Eine Alternative ist die Magnetkupplung. Sie ermöglicht die berührungslose Übertragung des Drehmoments durch eine geschlossene Gehäusewand. Dadurch kann die Pumpe hermetisch dicht ausgeführt werden – eine dynamische Wellendichtung zwischen Fördermedium und Umgebung entfällt vollständig.

Magnetkupplung einer Pumpe mit Außenrotor, Spalttopf und Innenrotor

Wie funktioniert eine Magnetkupplung bei Pumpen?

Eine Magnetkupplung besteht im Wesentlichen aus Außenrotor, Spalttopf und Innenrotor.

Der mit dem Antrieb verbundene Außenrotor ist mit Permanentmagneten bestückt. Innerhalb des Außenrotors befindet sich der ebenfalls mit Magneten bestückte Innenrotor, der mit der Pumpenwelle verbunden ist.

Zwischen beiden Rotoren befindet sich der Spalttopf. Er gehört zum drucktragenden Pumpengehäuse und trennt das Fördermedium hermetisch vom Antrieb.

Das Magnetfeld durchdringt den Spalttopf, sodass der Außenrotor den Innenrotor berührungslos mitnimmt. Das Drehmoment des Motors wird damit durch eine vollständig geschlossene Trennwand auf die Pumpenwelle übertragen.

Eine mechanische Verbindung zwischen Außen- und Innenrotor existiert nicht.

Warum ist die Wellendichtung einer Pumpe problematisch?

Dynamische Wellendichtungen sind seit Jahrzehnten bewährte Maschinenelemente. Insbesondere Gleitringdichtungen ermöglichen die zuverlässige Abdichtung rotierender Wellen auch unter anspruchsvollen Betriebsbedingungen.

Das Grundproblem bleibt jedoch bestehen: Eine rotierende Welle muss durch die Grenze zwischen Fördermedium und Umgebung geführt werden.

Bei einer Gleitringdichtung gleiten zwei sehr präzise gefertigte Dichtflächen gegeneinander. Zwischen diesen Flächen bildet sich ein sehr dünner Schmierfilm. Dieser ist für die Funktion der Dichtung notwendig und verhindert den unmittelbaren trockenen Kontakt der Gleitflächen.

Damit ist eine Gleitringdichtung konstruktionsbedingt ein dynamisches und verschleißbehaftetes Bauteil.

Besonders anspruchsvoll können beispielsweise hohe Temperaturen und Drücke, abrasive oder kristallisierende Medien, schlechte Schmiereigenschaften des Fördermediums sowie häufig wechselnde Betriebszustände sein.

Auch chemische Beständigkeit spielt eine wichtige Rolle: Nicht nur die Gleitflächen, sondern sämtliche Dichtungs- und Elastomerwerkstoffe müssen mit dem Fördermedium und den auftretenden Temperaturen kompatibel sein.

Der wesentliche Vorteil: hermetisch dicht ohne dynamische Dichtung

Bei einer Pumpe mit Magnetkupplung wird dieses Problem konstruktiv umgangen.

Die Pumpenwelle endet innerhalb des hermetisch geschlossenen Pumpengehäuses. Da keine rotierende Welle nach außen geführt werden muss, ist an dieser Stelle auch keine dynamische Dichtung erforderlich.

Das ist insbesondere bei Medien interessant, deren Austritt aus dem Prozess vermieden werden soll. Dazu gehören beispielsweise aggressive Chemikalien, toxische Stoffe, geruchsintensive Medien oder wertvolle Prozessflüssigkeiten.

Auch bei hohen Anforderungen an Anlagenverfügbarkeit und Wartungsintervalle kann der Verzicht auf eine dynamische Wellendichtung von Vorteil sein.

Welche Aufgabe hat der Spalttopf?

Der Spalttopf einer Magnetkupplung ist weit mehr als eine einfache Abdeckung.

Er bildet die hermetische Grenze zwischen dem medienberührten Innenrotor und dem außerhalb des Prozessraums laufenden Außenrotor. Gleichzeitig muss das Magnetfeld den Spalttopf möglichst verlustarm durchdringen können.

Die Auslegung ist daher immer ein Kompromiss zwischen mehreren Anforderungen.

Der Spalttopf muss dem Betriebsdruck sicher standhalten, chemisch und thermisch beständig sein und gleichzeitig eine möglichst geringe Wandstärke im Bereich der Magnetkupplung besitzen.

Je nach Anwendung kommen metallische oder nichtmetallische Werkstoffe zum Einsatz.

Haben Magnetkupplungen auch Nachteile?

Ja. Eine Magnetkupplung ist nicht automatisch die bessere Lösung für jede Pumpe.

Ein wichtiger Punkt sind Wirbelstromverluste bei metallischen Spalttöpfen. Das rotierende Magnetfeld induziert elektrische Ströme im leitfähigen Spalttopf. Dadurch entstehen Verluste und Wärme.

Diese Erwärmung muss insbesondere bei hohen Drehzahlen und Leistungen bei der thermischen Auslegung berücksichtigt werden.

Nichtmetallische Spalttöpfe können diese Verluste erheblich reduzieren oder vermeiden. Ihre Einsatzmöglichkeiten werden jedoch wiederum durch mechanische, chemische und thermische Anforderungen begrenzt.

Gerade bei sehr hohen Drücken oder Temperaturen kann deshalb ein metallischer Spalttopf trotz der damit verbundenen Wirbelstromverluste erforderlich sein.

Weitere Punkte bei der Auslegung einer Magnetkupplung sind das übertragbare Drehmoment, die Temperaturbeständigkeit der eingesetzten Permanentmagnete sowie die Lagerung und Kühlung des medienberührten Innenrotors.

Magnetkupplung oder Gleitringdichtung?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht.

Eine Gleitringdichtung kann bei vielen Standardanwendungen eine technisch zuverlässige und wirtschaftliche Lösung darstellen. Sie ermöglicht zudem eine direkte mechanische Verbindung zwischen Motor und Pumpenwelle und verursacht keine magnetisch bedingten Übertragungsverluste.

Die Magnetkupplung bietet dagegen einen entscheidenden konstruktiven Vorteil: Zwischen Fördermedium und Umgebung gibt es keine dynamische Wellendichtung.

Die Entscheidung sollte deshalb anhand des Fördermediums und der tatsächlichen Betriebsbedingungen getroffen werden. Druck, Temperatur, Drehzahl, chemische Beständigkeit, erforderliches Drehmoment, Wartungsanforderungen und die Folgen einer möglichen Leckage müssen gemeinsam betrachtet werden.

Fazit: Hermetisch dicht fördern mit Magnetkupplung

Eine Magnetkupplung ermöglicht die berührungslose Übertragung des Antriebsdrehmoments durch einen hermetisch dichten Spalttopf. Dadurch kann auf eine dynamische Wellendichtung zwischen Pumpenwelle und Umgebung vollständig verzichtet werden.

Gerade bei kritischen Medien sowie anspruchsvollen Druck- und Temperaturbedingungen kann dieses Konstruktionsprinzip erhebliche Vorteile bieten.

Die Magnetkupplung ist dennoch kein universeller Ersatz für die Gleitringdichtung. Wirbelstromverluste, Temperaturgrenzen der Magnete, das übertragbare Drehmoment und die konstruktiven Anforderungen an den Spalttopf müssen bei der Auslegung berücksichtigt werden.

Entscheidend ist daher nicht, welches Dichtungskonzept grundsätzlich „besser“ ist – sondern welches Konzept für die jeweilige Pumpenanwendung technisch sinnvoll ist.