Gasblasen in Dosierpumpen

Gasblasen in Dosierpumpen können die Förderleistung deutlich stärker beeinflussen, als ihre geringe Größe zunächst vermuten lässt. Während Flüssigkeiten unter normalen Betriebsbedingungen nahezu inkompressibel sind, verändert Gas sein Volumen mit dem Druck. Befindet sich Gas in der Pumpenkammer einer Kolben- oder Membrandosierpumpe, wird deshalb ein Teil des verfügbaren Pumpenhubs zunächst für die Kompression des Gases benötigt und steht nicht mehr für die eigentliche Förderung zur Verfügung.

Eine kleine Gasblase führt dabei nicht zwangsläufig zum Ausfall der Pumpe. Mit zunehmendem Gasvolumen kann die Fördermenge jedoch deutlich abnehmen. Im ungünstigsten Fall reicht der verfügbare Hub nicht mehr aus, um in der Pumpenkammer den erforderlichen Druck aufzubauen. Die Dosierpumpe arbeitet mechanisch weiter, fördert aber kein Medium mehr – es entsteht ein sogenannter Gaslock oder Airlock.

Wie stark dieser Effekt ausgeprägt ist, hängt nicht nur von der sichtbaren Gasblase ab. Auch das konstruktive Volumen der Pumpenkammer, Bohrungen und Ventilräume sowie die Druckverhältnisse auf Saug- und Druckseite spielen eine wichtige Rolle. Gerade bei kleinen Dosierpumpen können diese unbewegten Volumina im Verhältnis zum eigentlichen Hubvolumen erheblich sein.

Im Folgenden zeigen wir schrittweise, wie sich Gas in der Pumpenkammer auf den nutzbaren Hub auswirkt, wie ein Gaslock entstehen kann und warum Gasblasen unter ungünstigen Bedingungen sogar zu einem scheinbaren Rückfluss durch die Dosierpumpe führen können.

Grundprinzip: Flüssigkeit und Gas verhalten sich unterschiedlich

Eine volumetrische Dosierpumpe vergrößert beim Ansaugen zunächst ihre Pumpenkammer und füllt sie mit Medium. Beim anschließenden Druckhub wird das Kammervolumen wieder verkleinert und das Medium auf die Druckseite verdrängt.

Ist die Pumpenkammer vollständig mit Flüssigkeit gefüllt, wird nahezu der gesamte Hub für die Förderung genutzt. Flüssigkeiten lassen sich unter normalen Betriebsbedingungen nur sehr gering komprimieren. Wird das Volumen der Pumpenkammer beispielsweise um 10 ml verkleinert, werden deshalb annähernd 10 ml Flüssigkeit verdrängt.

Befindet sich dagegen eine Gasblase in der Pumpenkammer, ändert sich das Verhalten. Gas ist kompressibel. Ein Teil des Pumpenhubs wird deshalb zunächst benötigt, um das eingeschlossene Gas auf den Druck der Druckseite zu bringen. Erst danach beginnt die eigentliche Förderung.

Je größer das eingeschlossene Gasvolumen ist und je größer der Druckunterschied zwischen Saug- und Druckseite wird, desto mehr Hub geht allein für diese Kompression verloren.

Eine kleine Gasblase reduziert bereits den nutzbaren Förderhub

Nehmen wir als einfaches Beispiel eine größere Dosierpumpe mit einem Hubvolumen von 10 ml. Die Pumpe saugt bei ungefähr 1 bar absolut an und dosiert gegen 10 bar absolut.

Befindet sich nur eine kleine Gasblase von 1 ml in der ansonsten mit Flüssigkeit gefüllten Pumpenkammer, muss dieses Gas vor Beginn der eigentlichen Förderung stark komprimiert werden.

Bei diesem Druckverhältnis werden ungefähr 0,9 ml des Pumpenhubs allein benötigt, um die 1-ml-Gasblase auf den erforderlichen Druck zu bringen.

Von den ursprünglich 10 ml Pumpenhub stehen danach noch ungefähr 9,1 ml für die eigentliche Förderung zur Verfügung.

Die Pumpe funktioniert damit weiterhin problemlos. Ihre tatsächlich nutzbare Fördermenge ist jedoch bereits etwas kleiner als ihr geometrisches Hubvolumen.

Mit wachsendem Gasvolumen nimmt der Förderhub schnell ab

Wächst die Gasblase, wächst auch das Volumen, das zunächst für ihre Kompression benötigt wird.

Bei einer Gasblase von 5 ml und ansonsten gleichen Bedingungen werden bereits ungefähr 4,5 ml des 10-ml-Pumpenhubs allein für die Kompression benötigt.

Für die eigentliche Flüssigkeitsförderung verbleiben damit nur noch ungefähr 5,5 ml.

Mechanisch führt die Pumpe weiterhin exakt denselben Hub aus. Fast die Hälfte dieser Bewegung führt jetzt jedoch nicht mehr zu einem Flüssigkeitsstrom, sondern lediglich dazu, das Gaspolster zusammenzudrücken.

Das ist für den Anwender häufig der erste deutlich sichtbare Effekt: Die Dosierpumpe läuft, aber die tatsächliche Fördermenge ist erheblich geringer als erwartet.

Das Totvolumen entscheidet mit darüber, wann ein Gaslock entsteht

Eine reale Dosierpumpe besteht allerdings nicht nur aus ihrem eigentlichen Hubvolumen.

Auch bei vollständig eingefahrenem Kolben beziehungsweise vollständig ausgelenkter Membran bleibt innerhalb der Pumpe ein Restvolumen zurück. Dazu gehören beispielsweise die eigentliche Pumpenkammer, Ventilräume, Querbohrungen und Verbindungskanäle zu den Ventilen.

Dieses sogenannte Totvolumen ist bei Flüssigkeiten meist wenig problematisch. Bei Gasen gehört es jedoch vollständig zum kompressiblen Volumen.

Das ist besonders bei kleinen Dosierpumpen wichtig. Das Hubvolumen kann sehr klein sein, während Bohrungen und Ventilräume konstruktiv nicht im gleichen Verhältnis kleiner werden. Dadurch kann das gesamte eingeschlossene Gasvolumen ein Mehrfaches des eigentlichen Hubvolumens betragen.

Eine Pumpe kann beispielsweise nur 70 µl Hubvolumen besitzen, während Pumpenkammer, Bohrungen und Ventilräume zusammen einige hundert Mikroliter eingeschlossenes Volumen ergeben.

Ist dieses Volumen mit Gas gefüllt, reicht der verfügbare Hub irgendwann nicht mehr aus, um das Gas auf den erforderlichen Druck zu komprimieren.

Die Pumpe führt dann weiterhin ihre normale mechanische Bewegung aus, erreicht aber den Druck der Druckleitung nicht mehr. Es entsteht kein positiver Förderstrom.

Dieser Zustand wird häufig als Gaslock oder Airlock bezeichnet.

Warum kleine Dosierpumpen besonders empfindlich sein können

Das erklärt zugleich einen zunächst überraschenden Effekt: Eine große und eine kleine Dosierpumpe können beim gleichen Medium sehr unterschiedlich auf Gas reagieren.

Bei einer großen Pumpe kann das konstruktive Totvolumen im Verhältnis zum Hub relativ klein sein. Bei einer sehr kleinen Pumpe können Ventilräume und Verbindungskanäle dagegen einen erheblichen Anteil des gesamten Pumpenvolumens ausmachen.

Dadurch muss die kleine Pumpe im Verhältnis zu ihrem verfügbaren Hub möglicherweise wesentlich mehr Gas komprimieren.

Nicht allein die Größe der sichtbaren Gasblase entscheidet deshalb über das Verhalten. Entscheidend ist das gesamte eingeschlossene kompressible Volumen im Verhältnis zum verfügbaren Pumpenhub.

Woher kommen Gasblasen überhaupt?

Gas in der Pumpenkammer bedeutet nicht automatisch, dass eine Saugleitung undicht ist oder Luft von außen angesaugt wird.

Gas- oder Dampfblasen können auch erst während des Ansaugvorgangs entstehen.

Damit Flüssigkeit in die Pumpenkammer strömen kann, muss der Druck dort während des Ansaughubs niedriger sein als auf der Saugseite. Zusätzlich entstehen Druckverluste in Saugleitungen, Filtern, Armaturen und Ventilen. Muss die Pumpe aus einem tiefer liegenden Behälter ansaugen, kommt die Saughöhe hinzu.

Der lokale Druck in der Pumpenkammer kann deshalb deutlich niedriger sein als der Druck im Vorlagebehälter.

Nähert sich dieser Druck dem Dampfdruck des Mediums, können sich Dampfblasen bilden. Gleichzeitig können zuvor in der Flüssigkeit gelöste Gase ausperlen.

Eine Flüssigkeit kann deshalb im Behälter völlig unauffällig sein und erst während des Ansaugvorgangs Gasblasen bilden.

Gelangen diese Blasen in die Pumpenkammer und werden nicht vollständig ausgetragen, kann das Gasvolumen von Hub zu Hub zunehmen.

Warum sich ein Gaslock selbst verstärken kann

Eine kleine Gasblase führt zunächst nur dazu, dass ein Teil des Pumpenhubs für ihre Kompression verwendet wird.

Bleibt nach dem Druckhub jedoch Gas in der Pumpenkammer zurück, expandiert dieses Gas beim nächsten Ansaughub wieder. Ein Teil des neu entstehenden Kammervolumens wird dadurch bereits vom expandierenden Gas ausgefüllt.

Die Pumpe saugt entsprechend weniger neue Flüssigkeit an.

Kommen gleichzeitig weitere Gas- oder Dampfblasen hinzu, wächst das Gaspolster weiter. Immer mehr Pumpenhub wird für die Kompression benötigt und immer weniger Hub steht für die eigentliche Flüssigkeitsförderung zur Verfügung.

So kann sich das Problem schrittweise verstärken, bis schließlich überhaupt kein ausreichender Druckaufbau mehr möglich ist.

Bei zwangsgesteuerten Ventilen kann sogar Rückfluss entstehen

Ein besonderer Effekt kann bei Dosierpumpen mit zwangsgesteuerten Ventilen auftreten. Dieses Ventilprinzip wird beispielsweise bei den RITMO R05 und R15 Membrandosierpumpen von Fink Chem+Tec GmbH eingesetzt.

Bei einem normalen selbsttätigen Rückschlagventil bleibt das Druckventil geschlossen, solange der Druck in der Pumpenkammer niedriger ist als in der Druckleitung.

Ein zwangsgesteuertes Ventil wird dagegen entsprechend dem Pumpenzyklus aktiv geöffnet.

Hat ein Gaspolster verhindert, dass während des Druckhubes der erforderliche Druck erreicht wird, kann das Druckventil deshalb öffnen, obwohl der Druck in der Pumpenkammer noch niedriger ist als auf der Druckseite.

In diesem Moment zeigt das Druckgefälle in die falsche Richtung.

Medium kann aus der Druckleitung zurück in die Pumpenkammer strömen.

Ein beobachteter Rückfluss bedeutet in diesem Betriebszustand deshalb nicht zwangsläufig, dass das Ventil undicht oder die Dosierpumpe defekt ist. Das Ventil kann mechanisch vollkommen korrekt arbeiten. Der Rückfluss entsteht, weil der Kammerdruck zum Zeitpunkt der Ventilöffnung noch zu niedrig ist.

Fazit

Gasblasen können die Funktion einer Dosierpumpe deutlich stärker beeinflussen, als ihre sichtbare Größe zunächst vermuten lässt.

Bei einer vollständig mit Flüssigkeit gefüllten Pumpe steht nahezu der gesamte Hub für die Förderung zur Verfügung. Befindet sich Gas in der Pumpenkammer, muss zunächst ein Teil des Hubes verwendet werden, um dieses Gas auf den Druck der Druckseite zu komprimieren.

Mit wachsendem Gasvolumen wird der nutzbare Förderhub immer kleiner. Reicht der verfügbare Hub schließlich nicht mehr aus, um den erforderlichen Druck aufzubauen, entsteht ein Gaslock oder Airlock.

Dabei muss nicht nur die sichtbare Gasblase betrachtet werden. Ventilräume, Bohrungen und andere Totvolumina gehören ebenfalls zum eingeschlossenen kompressiblen Volumen und können insbesondere bei kleinen Dosierpumpen einen großen Einfluss haben.

Bei wiederkehrenden Gasproblemen sollte deshalb nicht nur die Dosierpumpe selbst geprüft werden. Auch Saugdruck, Saughöhe, Leitungsverluste, Medientemperatur, Dampfdruck und mögliche Ausgasung des Mediums spielen eine entscheidende Rolle.

Und bei Pumpen mit zwangsgesteuerten Ventilen kann ein Gaslock unter ungünstigen Bedingungen sogar dazu führen, dass Medium aus der Druckleitung zurück in die Pumpenkammer strömt – obwohl die Pumpe und ihre Ventile technisch vollkommen in Ordnung sind.